BUCH DER FREUNDE XXXXI

Wie lange werden wir uns noch täuschen dürfen? Alle Fristen laufen ab, die Zahl der Menschen schwillt an wie ein Meer, auf dem sich die Stürme entfesseln werden, der ausgelaugte Boden erschöpft unsere Kraft, überall wird das Wasser fehlen, und die Luft ist bereits knapp, die Lebensmittel haben immer weniger Gehalt, und Abfälle, alles, vergiftend, verstopfen die Ökumene. Wird die Stunde der Wahrheit auch die unseres Todeskampfes sein? Was werden wir unserem Tod entgegensetzen? Die Verordnungen unserer Staatschefs oder die Gebete unserer Geistlichen? Was nützen sie uns, diese Parasiten und Stifter der Unordnung? Die einen führen uns in die Auflösung, die anderen segnen sie, wobei sie uns ermahnen, und ermahnen jene, während sie uns segnen, wir gehen ruhigen Schrittes auf das Chaos zu, mit dem Herzen voller Hoffnung, vom Schlaraffenland träumend, das die Wissenschaft uns und unseren dreißig Milliarden Kindern und Kindeskindern bescheren wird, zu dem Zeitpunkt, da die hundert Nationen nur noch ein Volk bilden und die drei Rassen nur noch eine Rasse sein werden. Wie lange werden wir uns noch täuschen dürfen, unsere Evidenz missachtend, in der Hoffnung, daß das Unmögliche eintreffe? Denn der Mensch wird nicht überwunden werden, was auch geschehen möge.
Albert Caraco, Brevier des Chaos 104, 1982

 

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